Historische Karte von Kürmreuth

Kürmreuth liegt an einem der östlichsten Ausläufer des Frankenjura auf einer Anhöhe, die bis zu 470 m über Normalnull aus einer Talung aufsteigt, die westlich von Röslas herkommt.
Im Norden grenzt man mit einem Trockental an den Truppenübungsplatz Grafenwöhr.

Die erste urkundliche Erwähnung von Kürmreuth fällt ins Jahr 1121; es handelte sich um ein Gut des Hochstifts Bamberg, nach dem sich Ministerialen des Bischofs die Herren von "churbinruth" benannten.
Bereits im 11. Jahrhundert dürfte eine Burg von den Beamten des Bamberger Bischofs und den Sulzbacher Grafen errichtet worden sein. Sie stand auf einem mächtigen Felsen, dessen dreiseitiger Steilabfall genügend Schutz bot und reichte bis an die Kirche, die wohl als Burgkapelle angelegt wurde.
Als die Bamberger Lehen auf dem Nordgau dem Hochstift entfremdet wurden, kam auch Kürmreuth an die Grafen von Sulzbach und nach deren Aussterben schließlich an die Wittelsbacher.
1364 wurde das Schloß Hochkürmreuth, nach Errichtung des 2. und 3. Edelsitzes auch Oberkürmreuth genannt, als Sitz der Sulzbacher Landsassen erbaut. Vom Pfalzgrafen in Sulzbach wurden sie mit dem Ort belehnt und übten die niedere Gerichtsbarkeit, das Tafernrecht und das Garbenrecht aus. Sie hatten außerdem Anspruch auf Frondienste der leibeigenen Bauern. In einer Urkunde aus dieser Zeit wird ein Hirman Kurbenreuter aus Kurbenreut genannt.
Kürmreuth bildete von 1364 an eine selbständige Pfarrei des Bistums Eichstätt, während es vorher eine Filiale der Pfarrei Eschenfelden war. Die Gründung der Pfarrei Kürmreuth wird dem Kloster Kastl zugeschrieben, da Graf Gebhard VII. von Sulzbach-Hirschberg mit Testament vom 1.9.1301 die Kirchensätze und die Vogtei zu Lauterhofen/Eschenfelden dem Kloster Kastl vermacht hatte.
Bemerkenswert ist die Niederschrift vom 26.08.1364, in der die Gründung der Pfarrei Kürmreuth dokumentiert wird. Hier heißt es:
"Hanik von Knoblauchsdorf, oberster Hauptmann des Kaisers als Königs in Böhmen, in dessen Herrschaft in Bayern, gibt Urkunde darüber, daß die Gemeinschaft des Dorfes Kürbenreuth, Edelleute und Bauern, vor ihm bekannten, daß Abt Konrad und der Konvent zu Kastl ihnen gestattete, eine eigene Pfarrei, soweit das Dorf reicht, zu haben, deren Verleihung er sich vorbehalten hat. Der Pfarrer von Eschenfelden soll keinerlei Rechte und Zehenten außer den folgenden mehr haben: den Zehent auf die Weide zu einem Drittel, großen und kleinen Zehent von dem Lehen des Kürbenreuthers, auf dem früher der Rasche saß; Zehnten über 10 Äcker und 2 Krautgarten; aus der Widen 14 lange Schilling 12 Heller und 12 Käse.
Taidinger und Zeugen: Reimer von Ammerthal; Konrad Kneussel, Uschalk Köterlein, geschworne Bürger zu Sulzbach. Herweig Örlheimer von Örlheim."

1383 verkaufte Herzog Friedrich von Bayern an den Ritter Erhard den Kürmreuther den Sitz und die Feste zu Kürmreuth mit allen Rechten, lediglich die hohe Jagd, der Landschutz und der Blutbann blieben dem Landesherrn vorbehalten. Kürmreuth wurde, wie so viele andere alte Adelssitze auf dem Nordgau, eine Hofmark. Herzog Albrecht überließ 1490 dem Moritz Kürmreuther das Mundrecht über verschiedene Untertanen zu Kürmreuth. Im Landshuter Erbfolgekrieg (1503-1505) wurde die Burg Kürmreuth eingenommen und wahrscheinlich auch zerstört.
Mit dem Amt Sulzbach kam Kürmreuth 1505 zum neugeschaffenen Herzogtum Pfalz-Neuburg. Bei dessen Teilung 1614 blieb der Ort im Herzogtum Sulzbach. 1543 baute Johann Moritz Sandel einen 2. Edelmannssitz östlich der Kirche, das mittlere Schloß; er verkaufte es aber 1554 mit allem Recht und Besitz an den Edlen Simon von Fürer aus Nürnberg. 1557 verkaufte Moritz Kürmreuther auf Oberkürmreuth den Ort Gaißach an die Weißmanner in Auerbach. 1562 werden Sigmund Fürer und Christoph von Kürmreuth als Inhaber der beiden Schlösser beglaubigt; es ist beigefügt, daß "jeder einen sonderen Sitz allda habe". Während Jakob der Kürmreuther auf dem oberen Schloß residierte, wurde 1579 ein 3. Edelmannssitz errichtet. Dieses Schloß war im Besitz der Familie Muffling. 1580 verkaufte Simon von Fürer Mittelkürmreuth an Jakob Kürmreuther, der nun das Obere und Mittlere Schloß besaß. Da 1594 Eva Kürmreutherin, die Gemahlin des Jakob Kürmreuther, starb, verkaufte Jakob seinen Landsassensitz an den Herrn Sauerzapf (Hammerherrn Sauerzapf). Mit Jakob von Kürmreuth ist wahrscheinlich die männliche Linie der Kürmreuther ausgestorben. Das Geschlecht derer von Kürmreuth brachte einige namhafte Persönlichkeiten hervor:
Eine Urkunde von 1493 gibt Kunde von dem Reutmeister Michael dem Kürmreuther. 1480 starb Margaretha Kürmreutherin, die Priorin des Klosters Engelthal war. An der Ruine der St. Willibaldskapelle zu Engelthal ist ihr Wappen noch zu sehen. Dasselbe Kloster berichtet 1530 vom Tod der Subpriorin Martha Kürmreutherin. 1598 starb eine Kürmreuther Edelfrau Anna von Kürmreuth als 36. Äbtissin des Klosters Niedermünster in Regensburg. Im Amberger Stadtarchiv wird Anfang des 16. Jahrhunderts ein Sebastian von Kürmreuth als Amberger Stadtpfarrer genannt. Das alte Adelsgeschlecht der Herren von Kürmreuth soll auch in der Kirche nachweisbar gewesen sein; sie hatten einen Kirchenstuhl. Darin ihr Wappen: im schwarzen Schildfeld ein goldenes Winkelmaß. Über dem Schild eine vergoldete Krone mit zwei Löffelhörnern in gelb und schwarz. Dem Grabsteinbuch des Freisinger Bischofs Johann Franz Ecker von Kapfing (1695 - 1725) zufolge war an einem Stuhl der Kirche das Ehewappen Kürmreuth - Doles (Rosenberger Hammerherrn) aufgemalt. Eine Dolesin war nämlich die Frau des Jakob Kürmreuther.

Herr Sauerzapf behielt die beiden oberen Schlösser nicht, sondern verkaufte sie um 1600 an die Familie von der Grün. 1615 wurden diese Güter und Schlösser an den Edlen Johann Christoph Peter von Brand verkauft. Aus dem Jahr 1622 wird von Streifzügen "von Pollacken und Kroaten" durch die Kürmreuther Gegend berichtet. Feindliche Artillerie soll vom Hannesreuther Berg aus Schlösser, Kirche und Dorf beschossen haben. 1624 erwarb Christoph Peter von Brand auch das untere Schloß
von Hans Wolf Muffling. Zwischen 1627 und 1630 brannte Unterkürmreuth durch die Unvorsichtigkeit eines Knechtes ab. Ab dieser Zeit wird das Mittlere Schloß (2. Edelmannssitz) Unterkürmreuth genannt. 1642 kaufte Johann von Edelburg die Edelsitze.

Er vergrößerte zu dieser Zeit den Besitz durch Ankauf verschiedener Pfalz-Sulzbachischer Lehen. 1651 erwarb Oberstleutnant Rudolph von der Brüggen das Obere und das damals schon nicht mehr bewohnte Untere Schloß mit allen Rechten und Gütern des Edelmannssitzes Kürmreuth. Der neue Inhaber erhielt hierzu vom Landesherren die Taferne und den Kirchtagschutz zu Kürmreuth als Lehen. Anna Walburga von der Brüggen verkaufte 1682 das Schloß Oberkürmreuth und den weiteren Besitz an den Pfalzgrafen in Sulzbach, Herzog Christian August. Der Pfalzgraf ließ das Schloß von den herzoglichen Verwaltern des Amtes Königstein verwalten.
An die Adeligen "von Brand" und "zur Brüggen" erinnern vier große Grabsteine und eine Grabplatte in der St. Laurentius - Kirche. 1736 erbaute Johann Banzer das Gerichtshaus, die heutige Gastwirtschaft Spieß.
1737 wurde der Sitz Kürmreuth vom Pfalzgrafen Johann Christian von Sulzbach an den Reichsritter Johann Jakob Ströhl verkauft. 1770 fiel in einer Sturmnacht das schon lange nicht mehr bewohnte Schloß Unterkürmreuth zusammen. Von da an soll es als kleine Jägerwohnung gedient haben. 1799 verkaufte die Witwe Maria Anna Ströhlin das Landsassengut an Andreas von Grafenstein, einen Auerbacher Landrichter. Schloß Oberkürmreuth war nicht mehr bewohnbar und ebenfalls dem Einsturz nahe.
Die Hofmarksherrschaft kam 1814 nach dem Tod der Theresia von Grafenstein an den einzigen Sohn, Jakob von Sonnenburg zu Auerbach, der sie bis zu ihrer Aufhebung 1848 behielt. Er verwaltete Kürmreuth polizeilich und richterlich von Auerbach aus. Mit dem Jahr 1848 fielen die ehemaligen Hofmarks- und Patrimonialrechte endgültig und auch Kürmreuth unterstand wie alle ehemaligen Hofmarken im ganzen Land den staatlichen Behörden. Die zugehörigen Güter der Hofmark lagen in Kürmreuth, Kühberg, Lunkenreuth und Röslas.
Kürmreuth wurde dem Landgericht Vilseck und Bezirksamt Amberg zugeteilt.

Von den ehemaligen Edelsitzen steht heute nur noch ein Mauerrest

Über die Gemeindebildung im Landgericht Sulzbach liegt bereits vom 30. Juni 1818 eine vorläufige Liste vor, in der auch Kürmreuth genannt ist. Anläßlich der Gemeindewahlen von 1820/21 wurde die endgültige Form der Gemeinden erreicht.
1895 entstand der Darlehenskassenverein Kürmreuth.
1898 wurde die Freiwillige Feuerwehr Kürmreuth gegründet.
Im Jahr 1913 begann man mit dem Bau einer 6 km langen Wasserleitung, die dann Mitte Juni 1914 vollendet wurde.
Im selben Jahr wurde Kürmreuth das erste Mal von drei Flugzeugen überflogen.
Am 21. Februar 1924 berichtet Bürgermeister Hiltl über den Sicherheitsdienst in Kürmreuth an das Bezirksamt. Aus diesem Bericht geht hervor, daß bis zum 1. Weltkrieg in Kürmreuth von 10.00 Uhr abends bis 03.00 Uhr morgens die Stunden durch Blasen auf einem Horn ausgerufen wurden. Leider sei jetzt "eine zur Übernahme des Nachtwächterdienstes geeignete Persönlichkeit" bisher nicht zu ermitteln. Kirchenwachen sind nicht mehr nötig; Begründung: Wenn die Protestanten Gottesdienst haben, sind die Katholiken daheim, wenn die Katholiken in die Kirche gehen, kommen die Protestanten heim. Es ist also immer jemand im Dorf.

1919 erfolgte die Gründung des Männergesangvereins Edelweiß, 1924 die des Soldaten- und Kameradschaftsvereins.

Kürmreuth Historischer Dorfplatz

1925 wurde die Versorgung des Ortes mit elektrischen Strom aufgenommen.

1931/32 errichtete man vor dem evangelischen Schulhaus ein Kriegerdenkmal.

Kürmreuther Familie in den 50er Jahren

1969 wurden beide Konfessionsschulen im Zuge der Schulreform der Volksschule Königstein eingegliedert. Schulunterricht läßt sich in Kürmreuth bis in die Zeit um 1600 nachweisen.

Bis 1971 war Kürmreuth eine eigene politische Gemeide. Aufgrund der Eingemeindungsverordnung der Regierung der Oberpfalz kam Kürmreuth 1971 zum Markt Königstein.

Kürmreuth Historische Kindergruppe

Das alte Hirtenhaus mußte anfang der 70er-Jahre dem neuen Feuerwehrhaus weichen.

Feuerwehr Kürmreuth Historisch

1978 wurde der Freizeitstammtisch "Barfuß-Tramps" gegründet.

In Kürmreuth wohnten am 1.1.1998 250 Einwohner;
die letzte vergebene Hausnummer war die 85.